Die Landmaschine Nummer 1

Die Geschichte der Schlüter Traktoren

Um die Jahrhundertwende gründete Anton Schlüter sein Unternehmen zur Fertigung von Benzin- und Vielstoffmotoren, welches später Schlüter Traktoren herstellte. 12 Jahre danach konnte die Firma eine eigene Gießerei in Freising erwerben. Neue Gebäude wurden entworfen und gebaut. Ein Jahr später wurde das Versuchszentrum für Landtechnik gebaut, der Schlüterhof. 1915 wird das dritte Werk der Schlüter Werke fertiggetellt. Es besitzt eine Gesamtfläche von 100 Tausend Quadratmetern. Drei Jahre später bekommt Schlüter für die Erfindung des Kaltstartverfahrens bei den Vorkammer-Dieselmotoren das Deutsche Reichspatent. Anschließend liefert das Unternehmen ab 1921 die 5 bis 300 PS starken Dieselmotoren weltweit aus.

Traktorenbau

Der erste Schlüter Traktor rollte 1937 vom Band. Er wurde in den Leistungsklassen 14 und 25 PS produziert. Kriegsbedingt herrschte 1942 Benzinmangel, so dass zunächst Holzgasschlepper und Hybrid-Modelle auf Holzgas und Elektrobasis das Werk verließen. Die damaligen Schlüter Traktoren hatten 25 oder 50 PS. Bombenangriffe zerstörten die Werke.  


Der Sohn trat in die Fußstapfen seines Vaters und übernahm 1949 nach dessen Tod die Leitung des Werkes. Er konstruierte die Freisinger Gießerei als Werk für die Traktorherstellung mit  Gießerei. Ab 1950 gab es Schlüter Traktoren mit 30, 45 und 60 PS. 1964 spezialisierte sich das Unternehmen auf den Bau von Großschleppern, die nach herkömmlicher Bauart als Schlüter Traktoren produziert wurden. Damit wagt das Unternehmen den Schritt in die Klasse der 100 PS starken Modelle. Großführungen und Informationstage finden statt.

 

 

1966 gibt es die ersten Schlüter Traktoren mit integrierter Sicherheitskabine. 2 Jahre später baut das Unternehmen 120 und 150 PS starke Schlepper, 2 Jahre später wird die 200 PS Grenze überschritten. Es finden zahlreiche Vorführungen und Seminare statt. Diese richten sich an Unternehmer, aber auch an die Fahrer und an die Monteure. Wiederum 2 Jahre später kommt der erste Schlüter Traktor in Kompaktbauweise auf den Markt.

1974 sind es bereits 240 PS bzw. 320 PS starke Schlepper, die die Schlüter Werke produzieren. Es sind die Modelle Profi Trac 2500 TVL und Profi Trac 3500 TVL. 1978 wird das erste und einzige Modell eines Schlüter Traktors mit einem 12-Zylinder-Turbolader-Motor gezeigt. Es ist ein einmaliges Stück des stärksten europäischen Schleppers, welcher 500 PS hatte.

1981 steht bereits unter dem Zeichen der Energieeinsparung und die leistungsfähigen 240- bzw. 320-PS-Modelle werden entsprechend weiterentwickelt. Im Jahr darauf produziert Schlüter Compact Traktoren, deren Motoren mit modernster MAN Dieseltechnologie Arbeiten. Die Luftansaugung dieser Schlüter Traktoren erfolgt über Resonanzbehalter. Zusätzlich entsteht ein 180 PS Traktor, der mit Ladeluftkühlung und Turboaufladung ausgerüstet ist.

Zwei Jahre später kommen Schlüter Traktoren mit elektronischer Steuerung der Kraftheberanlage auf. Gleichzieitig erhält Saudi Arabien den Zuschlag für einen Großauftrag über die Fertigung von 70 Traktoren. 1985 werden neue Technologien zur elektronische Steuerung und Überwachung der Fahrzeuge durch Schlüter eingeführt. Nur ein Jahr später entwickelt Schlüter High-Speed-Schlepper, die maximal 50 Kilometer in der Stunde fahren können.

Ab 1987 ist der Freistaat Bayern Eigentümer des Gutes Schlüterhof. Im Jahr darauf kommen Modelle auf den Markt, die über eine elektronische und eine elektrohydraulische Lastschaltung verfügen. 1989 produzieren die Schlüter Werke den Euro Trac in den Leistungsklassen 140, 170 sowie 200 PS.

Heutige Nutzung der Schlüter-Werke

Auch 1989 wurden noch in den Werken verschiedene Typen vom Schlüter Traktor produziert. Doch technisch waren sie nicht mehr auf dem neuesten Stand und zur Wendezeit wurden mehr und mehr Standardtraktoren mit stärkerer Leistung als Schlepper eingesetzt. Der letzte Schlüter Traktor, der in den Werken gebaut wurde, war der Euro Trac, von dem es nur 184 Stück gibt. Dann gingen die Schlüter Werke in den Konkurs. Im Jahre 1991 schließt Schlüter seine Gießerei, die nunmehr 80 Jahre als ist. Er veräußert auch den Grundbesitz der Firma an die Gewerbegrund. Auch das Freisinger Werk wird stillgelegt.

Damit ging die Produktion des Euro Trac im Dezember 1993 an die Landmaschinen Schönebeck AG. Doch auch hier wurden nur noch 32 Stück der ehemaligen Schlüter Traktoren produziert. Ab 1995 kümmert sich die Generalvertretung Kraus um die Beschaffung von Ersatzteilen für Schlüter Traktoren. Vereinzelt gab es noch ein paar Herstellungen aus Restbestandeilen durch die Firma Engelseer in Fürth bis ins Jahr 2004 hinein.

Das Freisinger Werk wurde über 10 Jahre lang nicht genutzt. Die beiden Türme kann man am Ortseingang sehen, wenn man die B11 aus Richtung München entlang fährt. Die Hallen wurden bis Ende 2009 renoviert. Jetzt findet sich darin ein Einkaufszentrum. Natürlich darf auch ein echter Schlüter-Traktor nicht fehlen, der an die ehemaligen Schlüter-Werke und diesen Standort erinnert.

Fans und ihre Schlüter Traktoren

In Deutschland und auch im Ausland huldigen zahlreiche Fanclubs den bayerischen Schlüter-Traktoren. Regelmäßig finden dazu Feste statt, die so genannten Schlüter-Feldtage. Durch die vielen Fans werden noch heute einige Modelle der Schlüter-Traktoren vor dem Zahn der Zeit geschützt. Sie geben noch lange Zeugnis von diesem traditionsreichen Unternehmen, welches bahnbrechendes im Traktorenbau geleistet hat.
 

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